Unternehmen an Kinder verkaufen statt schenken: Wann es passen kann

Ein Unternehmensverkauf innerhalb der Familie kann Versorgung und Nachfolge verbinden. Entscheidend sind Rechtsform, Veräußerungsbesteuerung, Finanzierung und die tatsächlichen Vorteile beim Erwerber.
Ein Verkauf kann eine echte Nachfolgealternative sein
Bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge wird häufig zuerst über Schenkungen gesprochen. Ein Verkauf an die Kinder kann jedoch ebenfalls sinnvoll sein: Die Eltern erhalten einen Kaufpreis zur eigenen Versorgung, während die nächste Generation das Unternehmen eigenständig übernimmt. Ob daraus ein wirtschaftlicher oder steuerlicher Vorteil entsteht, hängt von der konkreten Struktur ab. Ein Familienverkauf ist weder automatisch steuerfrei noch grundsätzlich günstiger als eine Schenkung.
Rolands Video Einführung in die Unternehmensnachfolge: Steuerliche Grundlagen stellt entgeltliche und unentgeltliche Wege gegenüber. Es betont langfristige Planung und mögliche Vorteile neuer Anschaffungskosten. Für die Umsetzung muss allerdings sauber zwischen dem Verkauf eines Betriebs und dem Verkauf von GmbH-Anteilen unterschieden werden. Diese Unterscheidung entscheidet über wesentliche Steuerfolgen.
Zuerst klären: Was wird eigentlich verkauft?
Bei einem Einzelunternehmen werden typischerweise betriebliche Wirtschaftsgüter beziehungsweise der gesamte Betrieb übertragen. Bei einer Personengesellschaft kann ein Mitunternehmeranteil Gegenstand des Verkaufs sein. Bei einer GmbH können dagegen entweder die Geschäftsanteile verkauft werden oder die GmbH selbst veräußert betriebliche Vermögensgegenstände. Ein Anteilskauf und ein Unternehmenskauf auf Ebene der Gesellschaft sind steuerlich nicht dasselbe.
Diese Grundentscheidung sollte vor jeder Kaufpreisrechnung fallen. Sie beeinflusst, wer den Gewinn versteuert, welche Anschaffungskosten beim Käufer entstehen und ob zusätzliche Steuern anfallen können. Auch Haftung, Vertragsübernahmen und Finanzierung unterscheiden sich. Die pauschale Aussage, ein Unternehmenskauf schaffe beim Kind immer sofort neue Abschreibungen auf alle betrieblichen Werte, wäre deshalb falsch.
§ 16 EStG betrifft insbesondere Betriebsveräußerungen
§ 16 EStG erfasst insbesondere die Veräußerung eines ganzen Gewerbebetriebs, eines Teilbetriebs oder des gesamten Mitunternehmeranteils. Der steuerliche Veräußerungsgewinn ergibt sich grundsätzlich aus dem Veräußerungspreis abzüglich Veräußerungskosten und steuerlichem Wert des übertragenen Betriebsvermögens beziehungsweise Anteils. Dabei müssen die gesetzlichen Voraussetzungen einer begünstigten Veräußerung tatsächlich erfüllt sein. 1
Wer nur einzelne Wirtschaftsgüter oder lediglich einen Teil seines Mitunternehmeranteils verkauft, erreicht nicht automatisch dieselbe Behandlung. Insbesondere wesentliches Sonderbetriebsvermögen kann die Prüfung beeinflussen. Der Freibetrag nach § 16 Absatz 4 und Tarifbegünstigungen nach § 34 EStG haben zusätzliche persönliche und sachliche Voraussetzungen. Sie entstehen nicht allein deshalb, weil der Käufer das eigene Kind ist oder der Verkäufer den Ruhestand plant.
Für private GmbH-Anteile ist häufig § 17 EStG maßgeblich
Bei privat gehaltenen GmbH-Anteilen ist § 17 EStG besonders wichtig. Er erfasst grundsätzlich den Veräußerungsgewinn, wenn der Verkäufer innerhalb der letzten fünf Jahre unmittelbar oder mittelbar zu mindestens einem Prozent am Kapital beteiligt war. Es kommt damit nicht nur auf die Beteiligungsquote am Verkaufstag an. Für unentgeltlich erworbene Anteile enthält die Vorschrift zusätzliche Regeln zur Beteiligung des Rechtsvorgängers. 1
Der Gewinn wird grundsätzlich aus Verkaufspreis, Veräußerungskosten und Anschaffungskosten ermittelt. Regelmäßig ist das Teileinkünfteverfahren zu beachten. Ein besonderer Steuerfreibrief für Verkäufe an Kinder existiert nicht. Ebenso wenig dürfen die Begünstigungen einer Betriebsveräußerung nach § 16 und § 34 EStG pauschal auf einen privaten GmbH-Anteilsverkauf übertragen werden. Bei betrieblich gehaltenen Beteiligungen ist die Einordnung erneut gesondert vorzunehmen.
Neue Anschaffungskosten helfen nicht überall gleich
Beim Erwerb eines Betriebs können sich Anschaffungskosten auf übernommene Wirtschaftsgüter und einen entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert verteilen. Soweit die Voraussetzungen vorliegen, können daraus künftige Abschreibungen entstehen. Entscheidend sind jedoch die sachgerechte Kaufpreisaufteilung und die jeweiligen steuerlichen Vorschriften. Grundstücke und andere nicht abnutzbare Werte ermöglichen beispielsweise keine gewöhnliche laufende Abschreibung.
Kauft das Kind lediglich GmbH-Anteile, entstehen Anschaffungskosten für diese Beteiligung. Die Buchwerte der Vermögensgegenstände innerhalb der GmbH werden dadurch grundsätzlich nicht angehoben. Es gibt also keinen automatischen Abschreibungsanstieg auf Maschinen, Immobilien oder Firmenwert der Gesellschaft. Dieser Unterschied ist häufig ausschlaggebend, wenn vermeintliche Steuervorteile eines Familienverkaufs mit der sofortigen Steuerbelastung der Eltern verglichen werden.
Kaufpreis und Finanzierung müssen wirtschaftlich tragfähig sein
Ein plausibler Unternehmenswert ist auch beim Familienverkauf unverzichtbar. Der Kaufpreis sollte wirtschaftlich begründet und die Finanzierung aus realistischen künftigen Überschüssen tragbar sein. Zu berücksichtigen sind Investitionen, Betriebsmittel, Steuern und Krisenreserven. Eine Finanzierung, die nur bei dauerhaft optimalen Ergebnissen funktioniert, gefährdet sowohl die Nachfolge als auch die Versorgung der Eltern.
Möglich sind Bankdarlehen, Verkäuferdarlehen oder andere entgeltliche Versorgungsmodelle. Bei Verkäuferdarlehen müssen insbesondere Zinsen, Laufzeit, Tilgung und Sicherheiten nachvollziehbar vereinbart und tatsächlich durchgeführt werden. Ein hoher Kaufpreis auf dem Papier hilft wenig, wenn die Zahlungen später ausbleiben. Außerdem verschiebt eine Ratenzahlung den steuerlichen Entstehungszeitpunkt des Veräußerungsgewinns nicht automatisch entsprechend den Zahlungseingängen. Sonderfälle sind gesondert zu prüfen.
Ein günstiger Familienpreis kann eine Schenkung enthalten
Liegt die vereinbarte Gegenleistung unter dem maßgeblichen Wert und besteht eine entsprechende freigebige Bereicherung, kann eine gemischte Schenkung vorliegen. Dann müssen entgeltliche und unentgeltliche Elemente steuerlich eingeordnet werden. Die Bezeichnung Kaufvertrag verhindert eine Schenkungsteuerprüfung nicht. Umgekehrt sollte ein angemessener Kaufpreis nicht allein wegen der Verwandtschaft als Schenkung behandelt werden.
Ein späterer Erlass eines Verkäuferdarlehens kann ebenfalls eine eigenständige Schenkung sein. Persönliche Freibeträge und frühere Erwerbe sind dann erneut relevant. Werden Kaufpreis und Rückschenkung von Anfang an miteinander verknüpft, muss die Gesamtgestaltung besonders sorgfältig geprüft werden. Eine lediglich formale Zahlungsbewegung ersetzt keine wirtschaftlich nachvollziehbare entgeltliche Nachfolge. Auch Pflichtteilsfragen und die Gleichbehandlung von Geschwistern gehören in die Planung.
Weitere Steuerarten und Vertragsfragen einbeziehen
Bei übertragenen Grundstücken oder grundbesitzenden Gesellschaften ist die Grunderwerbsteuer eigenständig zu untersuchen. Umsatzsteuerlich kann bei einer Betriebsübertragung eine nicht steuerbare Geschäftsveräußerung im Ganzen vorliegen, aber nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen. Die Gewerbesteuer hängt ebenfalls von Struktur und Beteiligten ab. Keine dieser Fragen lässt sich allein mit dem Verwandtschaftsverhältnis beantworten.
Vergleiche deshalb Schenkung, Verkauf und Mischmodelle anhand derselben Annahmen: sofortige Steuern, künftige Entlastungen, Finanzierungskosten, Altersversorgung und unternehmerische Handlungsfähigkeit. Ergänzende Grundlagen bietet Vermögen übertragen mit Schenkung und Nießbrauch. Eine belastbare Variantenrechnung erhältst du über die Beratung zur Unternehmensnachfolge. Dieser Beitrag ist allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle steuerliche und rechtliche Prüfung des geplanten Verkaufs.
Roland erklärt’s im Video
Einführung in die Unternehmensnachfolge: Steuerliche Grundlagen | Steuerberater Roland Elias
YouTube · 2024 · Erst mit Klick wird das Video von YouTube geladen.
Auf YouTube ansehen