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    Steuerpolitik6. November 2023

    Die Schattenseiten einer Reichensteuer: Mehr Probleme als Lösungen?

    Die Schattenseiten einer Reichensteuer: Mehr Probleme als Lösungen?

    In der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte innerhalb Deutschlands hat die SPD einen umstrittenen Vorschlag eingebracht – eine sogenannte Krisenabgabe für Spitzenverdiener und eine Reform der Schuldenbremse, die das Ziel hat, eine höhere Steuerlast für die Wohlhabenden zu schaffen. Während die I

    Der Begriff Reichensteuer taucht in der öffentlichen Debatte regelmäßig auf, meint aber im deutschen Steuerrecht zunächst etwas ganz Konkretes: einen zusätzlichen Steuersatz von 45 Prozent oberhalb einer bestimmten Einkommensgrenze. Wer wissen will, ob und wie stark er betroffen ist, braucht keine politische Einordnung, sondern die genauen Zahlen und die Systematik dahinter.

    Dieser Beitrag erklärt, was heute gilt, wie sich der Satz auf dein Einkommen auswirkt und was du bei der Planung berücksichtigen solltest.

    Wo die Reichensteuer im Tarif greift

    Der deutsche Einkommensteuertarif ist progressiv aufgebaut und kennt mehrere Zonen:

    1. Bis zum Grundfreibetrag fällt keine Einkommensteuer an.
    2. In der ersten Progressionszone steigt der Grenzsteuersatz zunächst steil an.
    3. In der zweiten Progressionszone steigt er flacher bis auf 42 Prozent.
    4. In der Proportionalzone gilt ein konstanter Satz von 42 Prozent.
    5. Ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 278.000 Euro bei Alleinstehenden beziehungsweise dem doppelten Betrag bei zusammen veranlagten Ehepaaren gilt der sogenannte Spitzensteuersatz von 45 Prozent, umgangssprachlich Reichensteuer genannt.

    Wichtig: Der höhere Satz gilt nur für den Einkommensanteil oberhalb dieser Grenze, nicht für das gesamte Einkommen. Zusätzlich kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer hinzu.

    Beispielrechnung

    Ein Einzelunternehmer hat ein zu versteuerndes Einkommen von 320.000 Euro. Der Anteil bis 278.000 Euro wird nach dem normalen Tarif mit bis zu 42 Prozent besteuert, der darüberliegende Betrag von 42.000 Euro mit 45 Prozent. Das ergibt für diesen Teil 18.900 Euro Steuer allein durch den höheren Grenzsteuersatz auf diesen Einkommensanteil. Wichtig für die Einordnung: Der Durchschnittssteuersatz über das gesamte Einkommen liegt dabei deutlich unter 45 Prozent, da die unteren Einkommensteile weiterhin nach den niedrigeren Tarifstufen besteuert werden.

    Wer tatsächlich betroffen ist

    Betroffen sind Steuerpflichtige mit einem zu versteuernden Einkommen oberhalb der genannten Grenze – das betrifft in der Praxis vor allem Selbstständige, Freiberufler mit hohem Gewinn und Angestellte in Spitzenpositionen mit entsprechend hohem Gehalt. Kapitalerträge sind hiervon regelmäßig nicht betroffen, da sie über die Abgeltungsteuer pauschal mit 25 Prozent besteuert werden, unabhängig von der Höhe des sonstigen Einkommens.

    Auswirkung auf unternehmerische Entscheidungen

    Bei hohem Einkommen aus Einzelunternehmen oder Personengesellschaften lohnt sich regelmäßig die Prüfung, ob eine Kapitalgesellschaft die Gesamtbelastung senken kann. Der Körperschaftsteuersatz liegt bei 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer, zusammen je nach Hebesatz etwa 30 Prozent, solange Gewinne im Unternehmen verbleiben und nicht ausgeschüttet werden. Erst bei einer Ausschüttung an die Gesellschafter kommt zusätzlich die Kapitalertragsteuer hinzu. Diese sogenannte Thesaurierungsmöglichkeit ist der zentrale Hebel für Unternehmer mit Einkommen oberhalb der Reichensteuergrenze, sofern die Gewinne tatsächlich im Betrieb reinvestiert werden sollen.

    Was du konkret prüfen solltest

    • Wie hoch ist dein tatsächlicher Grenzsteuersatz auf den obersten Teil deines Einkommens, und ab welchem Betrag greift bei dir die 45-Prozent-Zone?
    • Lohnt sich angesichts deiner Gewinnhöhe und Reinvestitionsabsicht eine Kapitalgesellschaft als Struktur?
    • Sind Sonderausgaben, Werbungskosten und Abschreibungen so verteilt, dass sie möglichst in Jahren mit hohem Grenzsteuersatz wirken?
    • Werden Kapitalerträge und gewerbliche Einkünfte getrennt betrachtet, da für sie unterschiedliche Steuersätze gelten?

    Checkliste

    • Aktuelles zu versteuerndes Einkommen mit der Grenze von 278.000 Euro beziehungsweise 556.000 Euro bei Zusammenveranlagung verglichen
    • Grenzsteuersatz und Durchschnittssteuersatz sauber unterschieden
    • Thesaurierung in einer Kapitalgesellschaft bei hohen unternehmerischen Gewinnen durchgerechnet
    • Abzugsfähige Aufwendungen zeitlich so platziert, dass sie im Jahr des höchsten Grenzsteuersatzes wirken

    Fazit

    Die Reichensteuer ist keine gesonderte Steuerart, sondern die oberste Stufe des progressiven Einkommensteuertarifs, die erst bei einem sehr hohen Einkommen greift und dann auch nur für den übersteigenden Teil. Wer in diesem Bereich plant, sollte Rechtsform, Thesaurierung und den Zeitpunkt von Ausgaben gezielt aufeinander abstimmen, statt sich allein auf den Bruttosatz zu konzentrieren. Grundlagen zur Tarifsystematik findest du im Beitrag Steuerprogression und kalte Progression erklärt.

    Allgemeine Information, keine steuerliche Beratung im Einzelfall. Lass deine Gesamtbelastung individuell durchrechnen: Beratungstermin buchen.